
Lesetipp von
Sybille Kramer
01.06.2026
Endlich wieder ein neues Buch von der Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher. Und ich bin auch diesmal sehr begeistert von diesem schmalen Roman, der mich sofort mitgerissen hat.
Es geht um den 9-jährigen Ozzy, der ADHS hat und um seine Mutter Ann, die ganz ähnlich gestrickt ist wie ihr Sohn. Bei ihr und ihrer Schwester Nell hieß es früher allerdings nur "Sei nicht immer so wild". Die Diagnose Neurodivergenz gab es damals noch nicht.
Ann sagt zu ihrem Sohn lieber, dass sie beide "knisternde Nerven" haben. Und sie versucht Ozzy vor Zuschreibungen von Institutionen zu verteidigen.
Rasant, mit leisem Humor und Tiefe tauchen wir LeserInnen in die manchmal chaotische Innenwelt der beiden Protagonisten ein.
Während Ann die Trennung von Ozzys Vater verarbeiten muss und gerade beruflich ziemlich eingespannt ist, passiert bei Ozzy am Ende des 3. Schuljahres, kurz vor den Sommerferien, etwas Schlimmes auf dem Schulhof. Oz ist nicht einmal in der Lage, seiner Mutter davon zu erzählen. Dabei könnte doch alles okay sein, denn sein Zeugnis ist richtig gut und er erhält die Empfehlung fürs Gymnasium.
Doch dann kommt die Nachricht, dass die Zillyoma, Anns 74-jährige Mutter Zäzilia, aus dem Krankenhaus weggelaufen ist. Ann bemerkt zwar, dass Ozzy bedrückt ist, aber die Suche nach Zäzilia ist jetzt wichtiger. Zusammen machen sie sich auf den Weg zum Innergebirg im Salzburger Land, wo die Großmutter in einem Dorf lebt. Eine Starkregenwarnung mit Straßensperrungen und drohenden Murenabgängen erschwert die Lage.
Birgit Birnbacher erzählt in ihrer ganz eigenen, wunderbar dichten Sprache und hat mit Ann und Ozzy ein kämpferisches Mutter-Sohn-Team geschaffen.
Roman
Zsolnay Verlag, 24,00 €
Bahrenfelder Str. 79,
22765 Hamburg
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